Ich habe mir noch mal etwas Zeit genommen Office365 zu testen und auch mit anderen Betatestern zu sprechen. Zusätzlich kam hier ein durchaus interessanter Kommentar rein… Hier also ein kurze Nachbetrachtung zum Thema Office365.

  1. Das die SMB Variante (Plan P1) keine Verbindung zur eigenen Infrastruktur haben kann ist für mich nicht akzeptabel! Klar, das ist ein Enterprise Feature aus Sicht von Microsoft, aber in diesem Segment wird es ja auch den einen, oder anderen, Microsoft Kunden geben! Oder wer ist sonst die Zielgruppe vom Microsoft Small Business Server (SBS)? Eine Anbindung an diesen wäre doch eine tolle Sache für das Kundensegment! Aber bei der kleinen Variante ist es ein entweder, oder! Schade!
  2. Das die SMB Variante keinerlei PowerShell Zugriff hat finde ich schade! Aber das ist wohl zu verschmerzen (Nur eben für mich persönlich nicht!).
  3. Kein Backup/Restore! Wenn ich es Entscheiden müsste, dann wäre das der Grund dagegen! Im Ernst, aber ich kenne einige Firmen die jahrelang Exchange Server auch komplett ohne irgendeinen Backup betreiben und das “normal” finden. Gut, die haben dann wenigstens noch den Dumpster! Einen Zugriff auf den habe ich in der P1 nicht finden können.
  4. Die Lizenzierung ist nicht ohne! Solange ich ein Postfach haben will (persönlich, oder Gruppe) muss ich zahlen! Sobald ich es kündige ist es weg! (Siehe unten)
  5. Von der Office365 Lync Implementierung war ich einfach enttäuscht! Federation funktioniert nur bedingt, selbst zu anderen Office365 Organisationen gab es immer wieder Probleme! Die OWA Implementierung war nicht immer verfügbar bzw. zuverlässig. Auf die fehlenden Clients und den nicht vorhandenen Mac Support gehe ich unten noch mal ein!
  6. Im Enterprise Umfeld muss der Kunde alles über einen Partner machen. Klar, das ist gut für Partner, aber wenn ich einen Dienst als Cloud/SaaS Anbiete verstehe ich das nur bedingt. Wobei es auch nachvollziehbar ist, denn Microsft hat wohl nicht die nötigen Ressourcen es selbst zu machen. Und so einfach ist eine Anbindung ja auch nicht immer ;-)
  7. Fehlende Flexibilität! Gerade im Enterprise Umfeld würde ich mir etwas mehr Flexibilität wünschen! Ein Beispiel: Eine Organisation hat einen eigenen Exchange 2010 im Einsatz und möchte nur einige User auslagern. Kein Problem! Jetzt möchte diese Organisation aber genau das mit SharePoint oder Lync machen: NEGATIV! Hier ist es ein entweder, oder! Wenn es wenigstens möglich wäre einzelne für einzelne User nur gewisse Dienste zu buchen (Beispielsweise nur Lync). Aber Office365 ist eine “AllInOne” Lösung! Zumindest habe ich dazu keinerlei Informationen finden können!!!

Hans hat einige interessante Punkte eingebracht:

  1. Die E-Mail-Archivierung funktioniert nur so lange, wie man den Account aktiv hält, bzw. dafür bezahlt. Um die gesetzlichen Anforderungen (Steuerrecht) zu erfüllen, müssen die Accounts von ausscheidenden Kollegen noch 6 oder 10 Jahren weiter bestehen. Bei einer hohen Mitarbeiterfluktuation, bezahlt man dann irgendwann doppelt so viele Accounts als aktive Nutzer.
  2. Spamfilter muss jeder User selber pflegen und anlernen. Man hat als Administrator keinen zentralen Überblick und kann keine Aussagen treffen, warum E-Mails nicht angenommen bzw. rausgegangen sind.
  3. Microsoft macht zwar ein Backup der Kundendaten. Der Kunde bekommt aber keinen Zugriff darauf. Er kann keinen Restore daraus machen, falls ein Mitarbeiter versehentlich alle Daten gelöscht hat.
  4. Es können im System keine rechtlich einheitlichen E-Mail-Signaturen vorgeben werden – jeder User muss diese selber pflegen. Keine Verschlüsselung von E-Mails und kein signieren von E-Mails im Webaccess.
  5. Man benötigt für jede gemeinsame Mailbox und jedes Gerät/System – welches im Haus E-Mails versendet – eine separate Lizenz.
  6. Das lokale Office ist nicht für Terminalserver geeignet. Des Weiteren halte ich es für fehleranfällig, wenn die Gültigkeit der lokalen Office-Lizenz alle 30 Tage per Onlineabfrage überprüft wird.
  7. Für das Lync-Chatsystem muss ein Programm lokal auf dem PC installiert werden. Die Macversion hängt deutlich hinterher. Unter Linux, Android, iPad oder iPhone kann man das Messaging überhaupt nicht nutzen. Es wird ein proprietäres Protokoll verwendet. Man kann also nur mit externen kommunizieren, wenn diese ebenfalls Microsoft-Lync nutzen. Keine Verbindung zu anderen offenen Chatprotokollen (Facebook, GMX, web.de, GMail).
  8. Freigabe von Dokumenten aus dem Sharepoint an externen Kontakte ist auf max. 50 Zugriffe beschränkt!
  9. Im Webaccess kann man E-Mail und Kalender nicht in zwei verschiedenen Tabs oder Fenstern öffnen. Die Fähigkeiten moderner Browser werden nicht unterstützt.

Hier meine Meinung dazu:

  1. In der SMB Lösung (Plan P1) bleibt einem da wohl wenig anderes übrig! Ansonsten müsste sich ein Administrator auf die Usermailbox anmelden und dann einen Export (via Outlook) in ein PST machen. Das ist sehr unschön! In der SBM Variante gibt es ja auch keinen PowerShell Zugriff oder sonstiges. In der Enterprise Variante könnte man den User wieder zurück auf einen “on Premise” Exchange migrieren! Eines ist natürlich schlecht: Auf Office365 wird sich kaum einer um Speicher scheren, denn ein User hat eine “Riesen” Mailbox! Wenn ich dann eine Migration zurück auf einen eigenen Exchange 2010 Server durchführen möchte wäre das natürlich wieder eine andere Sache!
  2. Und wirklich gut ist der Span Filter nicht! Trotz Training kamen in meinen Tests immer wieder einige Span Nachrichten durch!
  3. Das finde ich persönlich nicht akzeptabel! Das ist einer der Gründe warum Office365 für mich einfach nicht in Frage kommt! Ich hatte den Fall! Aufgrund eines Fehlers mal eben einen ganzen Ordner gelöscht… Da freut sich der Admin (In diesem Fall ich) über den Dumpster, oder eben ein funktionierendes Backup! Ich gehe mal davon aus, dass Microsoft hier noch nachbessern muss!
  4. Für mich ein KO Kriterium! Im Zeitalter vom Abmahnwahn ist das auch nicht ungefährlich.
  5. Ja! Das ist nun mal bei Hosting Angeboten so. Ist bei anderen Anbietern oft nicht anders. Aber schön ist es nicht!
  6. Habe ich nicht getestet (Wozu auch?), aber das finden einige Beta Testet schlecht! Die Office Lizenz ist für mich persönlich uninteressant! Also Mac User ohne Terminal Server brauche ich die nicht. Und meine virtuellen Windows Installationen sind deutlich überlizensiert!
  7. Gerade Lync war ja eines der Themen die mich persönlich sehr interessiert haben! Ich persönlich war von der Microsoft Variante extrem enttäuscht! Presence Informationen funktionieren nicht immer zuverlässig, Federation funktioniert nicht immer so wie es soll. Und in dem Fall auch zwischen verschiedenen Office365 Organisationen! Ein lokaler Lync Server ist hier “deutlich” Leistungsfähiger, gerade was die Anbindung von anderen angeht. Bei einer eigenen Installation ist ja auch das hinzufügen von Yahoo! oder Gmail Usern grundsätzlich möglich. Die Mobilen Clients sind bei Lync ein echtes Problem! Ich hatte diverse Tests mit einem OCS Webfrontent und iPhone bzw. Android Clients gemacht, das funktionierte auch ganz gut. Aber ein nativer Lync Client ist ein muss und derzeit ein absolutes KO Kriterium für Lync (Und zwar ein grundsätzliches). Ähnliches gilt für die VoIP Funktionen, vom schlechten bzw. fehlenden Mac Support will ich jetzt nicht anfangen! Microsoft spielt das Thema immer wieder runter! Mir wurde mehrfach gesagt, dass es dafür nicht so viele Anfragen geben würde! Kann ich mir nicht vorstellen! Das es nicht so viele Mac Anfragen gibt mag sein, aber das der Markt nach Mobil Client hechelt ist kein Geheimnis!
  8. Dem kann ich nur zustimmen und es funktionierte in unseren Tests auch nicht immer! Was nett ist: Die PowerPoint Broadcast Funktion aus SharePoint 2010 funktioniert auch in Office365! Das ist ein brauchbares Feature für Personen die öfter mal Solides Präsentieren. Ich nutze das recht gerne!
  9. Der Webaccess ist für mich ein grauen! In Firefox hatte ich immer wieder Probleme! Da ich als Mac User aber den Browser immer wieder im 32Bit Modus hätte neustarten müssen um SilverLight zu nutzen ist sowieso ein KO Kriterium für den Browser! Im Safari war es besser… Aber das ich mich immer mal wieder anmelden muss (Einfach so und nicht wirklich nachvollziehbar) empfand ich als nervig! Auf Windows habe ich es nur selten genutzt, ob es also im IE besser ist, kann ich nicht sagen.

Fazit: Office365 ist eine gute Idee! Leider ist die Umsetzung von Microsoft derzeit mangelhaft bis unbrachbar. Das gute ist: Es gibt diverse Alternativen von anderen Anbietern!!! Und einige Hosting Angebote im Microsoft Umfeld (Natülich von Partnern) sind deutlich besser und/oder flexibler. Klar diese sind meist etwas teurer und bieten auch nicht so viel Storage, aber das rechnet sich sicher (Stichwort ROI)!

7 Responses to “Office 365 Teil 2”
  1. Christian L.

    Wenn ich mal mit Google Apps damit vergleichen darf:

    zu1: Wenn ich Postini für 31,50 € pro Nutzer im Jahr dazu buche, dann sind da 10 Jahre gesetzeskonforme Archivierung automatisch in diesem EINEM Jahresbeitrag dabei.

    zu2: Der Spamfilter von Google ist momentan wohl einer der besten am Markt. Wer mal GoogleMail getestet hat, weiß wovon ich rede.

    zu3: Bei Google Apps ist ein individueller Restore jeglicher Daten innerhalb von 72 Stunden über den Support möglich. Also wenn Kollege Superdau mal wieder zu viel aufgeräumt hat oder das Smartphone alle Kontakte dupliziert hat. Wenn man die E-Mail-Archivierung gebucht hat, dann sind die E-Mails ja immer da und können überhaupt nicht gelöscht werden (Gesetzliche Vorgabe).

    zu4. E-Mail-Signaturen können zentral vergeben werden. E-Mail-Verschlüsselung ist auch im Webacces möglich.

    zu5. Bei Google werden nur echte Personen berechnet. Gruppenmails, Fax2Mail und andere Statusmails von irgendwelchen Diensten kosten nichts extra.

    zu7: Der Google-Chat funktioniert im Browser, nur für Videokonferenzen muss lokale etwas installiert werden. Die Plugins gibt es für Windows, Mac und Linux. Bei Smartphones ist es oft schon vorkonfiguriert.

    zu8: Bei Google Apps gibt es keine Einschränkungen für Zugriffe auf freigegebene Dokumente.

    zu9: Da Google jetzt die Altlasten vom IE6 abstreift und konsequent auf moderne Webtechnologie setzen kann, wird der Wettbewerb sich immer am Googlemail-Webclient messen lassen müssen. Mal ganz davon abgesehen, dass es mittlerweile schon extrem viele gute Erweiterungen für das System gibt. Damit würde sich so mancher Anbieter von Outlook-AddOns eine goldene Nase verdienen.

    Viele Grüße
    Chris

    • Michael Berg

      Mit Google kann es Microsoft mit seinem Angebot sicher nicht aufnehmen! Gerade dank der Postini Dienste!

    • Joerg Hochwald

      Ich persönlich würde Office365 nicht mit Google vergleichen wollen! Das wäre nicht fair, denn Microsoft kann Google das Wasser nicht reichen… Und wird das auch so schnell nicht können!
      Aber interessant ist gerade der rechtliche Teil (GDPdU usw.) was die ganzen Cloud Services angeht. Google hat hier mit den Postini Diensten eine seht gute Lösung zugekauft und integriert!
      Auch wenn die meisten sich nicht um die rechtliche Seite kümmern: Das wird noch ein riesen Thema… Ob Cloud oder on Premise ;-)

      Die P1 Variante ist aus meiner Sicht für den Deutschen Markt nicht geeignet. Aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung!

  2. Toadie

    Puhh also ich wollte das nicht in der Firma haben. Da schlag ich mich lieber selber mit Exchange rum.

    • Michael Berg

      Das kann ich verstehen! Was ich nicht wirklich verstehe ist der Wolken Hype!
      Alle scheinen dringend ihre eigenen Server und Dienste raus schaffen zu wollen.
      Kaum einer sieht die ganzen negativen Seiten! Vor allem: Das sind Lösungen aus der Box! Nicht mehr DEINE Lösung ;-)

  3. Thomas

    Punkt 4 bezüglich der Signatur gilt nur für die P-Pläne. Eine zentrale Signatur ist mit Hilfe von Transportregeln in den E-Plänen relativ einfach zu erstellen und zu pflegen. Zusätzlich können hier Informationen wie Vorname, Nachname, Telefonnummer etc. eingebunden werden. Es ist sogar möglich verschiedene zentrale Signaturen für verschiedene Abteilungen zu pflegen.

    • Joerg Hochwald

      Klar, weil ja auch nur in der Enterprise Variante eine AD Integration und vor allem Powershell Zugriff möglich ist. In den nicht P Plänen kann man normale Transport Regeln nutzen…
      Aber auch SMB Kunden haben solche Anforderungen! Powershell bräuchte es dafür sicher nicht, ein Webinterface wäre aber wünschenswert!!!
      Mein persönliches Fazit: Enterprise ist OK, SMB derzeit wohl eher nicht!