Ich bin gerade gefragt worden ob ich den Apple Lion Server als Server für ein Apple lästiges KMU Unternehmen empfehlen kann, oder nicht. Die Antwort ist gar nicht so einfach!
Eigentlich schon, denn der Apple Server ist schon länger sehr leistungsfähig und gerade mit Lion ist dank erweiterterem Wiki und vor allem dank dem Profile Manager noch mal ein echter Schub erfolgt! Der Profile Manager bietet eine Menge Möglichkeiten: Apple Lion Systeme können konfiguriert und gemanaged werden! Zusammen mit den bekannten Möglichkeiten der Managed Prefferences ist das natürlich extrem cool. Und iOS Devices können auch konfiguriert und gemanaged werden, also ein eifaches Mobile Device Management (MDM). Sicher, die Profi Lösungen von MobileIron, Afaria oder AirWatch können viel mehr (Und damit meine ich nicht nur den Multi-Plattform Support), aber für viele Bedürfnisse speziell im KMU (Klein und Mittelständige Unternehmen) Bereich dürften die Möglichkeiten ausreichen.
Ein echtes Argument für den Lion Server ist natürlich der Preis: 39,99 Euro (In Deutschland) für den Server Teil der Software ist ein Hammer Preis! Zumal hier keine weiteren Lizenz Kosten mehr entstehen. Es ist also quasi egal wie viel User, Mac oder iOS Devices eingebunden werden, es entstehen absolut keine weiteren Kosten. Aber selbst die All-In-One Lösung (Hardware & Software) ist auch relativ günstig: Mac mini mit Lion Server kostet gerade mal ab 999,00 Euro (Deutschland). Alternativ kann man natürlich auch einen Mac Pro Server ab 2.899,00 Euro kaufen. Was aber ins Geld gehen kann sind dann die Apple Support Verträge! Also Vorsicht und vorher genau hinsehen bzw. bei Apple nachfragen!!!

Apple Lion… Ein tierischer Server?
Natürlich ist es auch ein Vorteil, dass viele Sachen integriert sind (Mail, iChat/Chat, VPN, Firewall, NAT Router usw. usw.) und das die Konfiguration Großteils via GUI Erfolgen kann. Hier ist aber schon ein Kritikpunkt von mir: Eben nicht alles und nicht nur in einer GUI!
Naja, und um genau zu sein: Einiges muss auf der Kommandozeile (Terminal) als Superuser (root) gemacht werden. Und spätestens da sollte sich der Admin auch ein wenig mit Unix (BSD) auskennen.
Apple selbst wirbt ja mit dem Tag: “Der Server für alle.“. Das sehe ich persönlich anders! Genau genommen ist ein Server sicher auch nichts für jeden, aber der Apple Lion Server ist sicher nichts für den absoluten Einsteiger.
Ich selbst habe vor einiger Zeit die heile(?) Windows Server Welt komplett verlassen und habe mich auf das bändigen der verschiedenen Wildkatzen aus Kalifornien eingelassen. Open Directory statt Active Directory, Apple Mail Server (Postfix/Amavis/Dovecot) statt Exchange und Wiki/WebDAV/iCal/Blog statt SharePoint. Solange es funktioniert ist alles perfekt! Aber leider sind so einfach Dinge wie ein Update immer mal wieder eine echte Hürde! In meinem Fall war der Update von auf 10.7.3 der echte Horror, der in einer kompletten neu Installation endete. Die meisten Dienste sind nach dem Update nicht wieder zu sich gekommen, oder haben einfach nicht mehr richtig funktioniert. Und wer mal im Internet danach sucht: Das war kein Einzelfall! Ganz im Gegenteil :(
Als ich auf 10.7 umgestiegen bin kam ich mir wirklich vor wie der “Löwen Bändiger“!!! Der Update von 10.6 (Snow Leopard) auf 10.7 (Lion) ist ein echter Horror. Und es funktioniert auch nur theoretisch. Auch hier zeigen diverse Foren und Blogs, dass es mehr die Regel als ein Einzelschicksal ist :(
Wer sich aber mit Unix auskennt und keine Angst für der Kommandozeile bzw. Development Tools (Xcode ist ja wieder kostenlos zu kriegen) hat, der kann mit dem Apple Lion Server wirklich Spass haben. Er ist Leistungsfähig und sehr leistungsfähig… Zusätzlich kann er (fast) beliebig erweitert werden! In meinem Fall habe ich wirklich an fast allem herum geschraubt wo es nur ging:
- Ich habe Amavis/SpamAssassin extrem aufgebohrt! Die von Apple gelieferte Lösung ist OK, filtert mir persönlich aber nicht genug.
- Ich habe Amavis und Postfix soweit angepasst, dass ausgehende Emails mit einem Rechtssicheren Disclaimer versehen werden
- Ich habe den CalDAV Server ein wenig angepasst (Gerade was die Default Settings und die Mail Schnittstelle angeht)
- Ich habe mir wieder MySQL samt phpMyAdmin installiert. Nicht das ich PostgreSQL nicht mögen würde, im Gegenteil, nur ist MySQL für viele Web/PHP Projekte einfach besser geeignet.
- Das Webmail (roundcube) kann per Plugins erweitert werden. Extrem schick und wirklich Leistungsfähig. Auch wenn in einigen Foren über den Wechsel von Apple gelästert wird: Ich bin der Meinung die roundcube Lösung ist cool!
- Ich habe jede Menge Zusatz Software (MRTG/Logwatch/Fail2Ban usw.) installiert. Damit kann viel automatisiert werden und es erleichtert jedem Administrator das Leben extrem.
Was ich persönlich etwas verwirrend finde: Einen Teil der Admin Tools ist in Ruby geschrieben (Sehr sympathisch) und vieles in Python. Nicht das ich was gegen die Würgeschlange hätte, aber warum kann Apple sich nicht für eines von beiden entscheiden? Wobei das Fummeln an Ruby mit Vorsicht durchgeführt werden muss.
Ein weiteres Positiv Highlight: Der Apple Lion Profil-Manager! Die Konfiguration von Apple Geräten (Lion Desktop und Server, iPhone, iPad usw.) ist ein absolutes Kinderspiel. Gerade das konfigurieren und absichern von iOS basierenden Geräten ist eine extreme Entlastung. Und dank Wiki Server und WebDAV ist das immer und überall Arbeiten einfach umzusetzen.
Mit dem Profil-Manager können eigentlich alle wichtigen Apple Dienste des Lion Servers vor Konfiguriert werden.
Aber auch die Sicherheitsdienste (VPN/NAT) sind einen genauen Blick Wert: Die von BSD stammende IPFIREWALL ( IPFW ) ist eine Prima Packet Filter Firewall! Und da es weit verbreitet ist, sind im Internet eine Menge Zusatzinformationen zu finden. Auch das erleichtert es einem Admin ungemein. Die VPN Dienste sind OK! Der Apple Lion Server unterstützt die Protokolle L2TP/IPSec und PPTP. Das sollte für die meisten Fälle ausreichen. Wenn nötig können auch beide Protokolle gleichzeitig genutzt werden. Wobei ich wenn immer möglich auf PPTP würde!
Apple setzt bei Open Directory auf OpenLDAP! Aber keine Angst: Das ist einer der Dienste die sich wirklich über die Apple Tools perfekt konfigurieren und administrieren lassen. Selbst komplexe Szenerien (Beispielsweise mehre LDAP Server) sind machbar.
Auch die meisten anderen Dienste sind auf Open Source Projekten aufgesetzt oder von Apple zu Open Source erklärt worden. Das finde ich persönlich sehr sympathisch, aber das ist sicher kein Argument für jeden! Das zeigen auch die Kommentare im App Store!!!
Alles in allem gibt es Licht und Schatten! Aber ich bin immer noch der Meinung: “Der Server für alle.” sollte wohl anders aussehen müssen! Aber dafür ist der Einstiegs Preis extrem niedrig. Und wer sich das bändigen einer Wildkatze zutraut, der hat einen Leistungsfähigen Server ;-)
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